Vielleicht haben Sie es bemerkt: Beim Formulieren der Überschrift unseres heutigen Artikels hatten wir James Bond vor Augen, der seinen heißgeliebten Martini ja bevorzugt “geschüttelt, nicht gerührt” zu sich nimmt. Was hier auf Qualität anspielt, gilt uneingeschränkt auch für einen stilvollen Glühwein. Denn ein echter, handgemachter Glühwein ist eine winterliche Delikatesse – und er braucht nur fünf Gewürze. Das Ergebnis hat nichts zu tun mit der Zuckerplörre, die auf vielen Weihnachtsmärkten ausgeschenkt wird. Stattdessen sollten schlicht die Aromen des Weins gekonnt in Szene gesetzt werden. Wir verraten, mit welchen fünf Gewürzen der Glühwein garantiert gelingt! Denn das Motto lautet auch hier wie bei allen Dingen, die uns kulinarisch erfreuen: Weniger ist mehr!
Am Anfang steht der Zimt!
Die aromatische Baumrinde ist für viele Menschen das wahrscheinlich weihnachtlichste und winterlichste Gewürz überhaupt – schließlich gibt es ohne Zimt keine Zimtsterne, und auch Gewürzspekulatius ist ohne nicht denkbar.
Gleiches gilt aber auch für den Glühwein. Die herzhaften, leicht pikanten und wärmenden Noten des Zimts geben dem Wein Tiefe und Fülle. Dazu kommt die wichtige Assoziation zu süßem Gebäck. Durch sie erhält der Glühwein eine abstrakte Süße, ohne dass gezuckert werden muss. Beim Erwärmen des Weins sollte schlicht eine in mehrere grobe Splitter zerstoßene Zimtstange verwendet werden. Den Zimt nicht hineinreiben, das könnte seine Note im fertigen Glühwein zu penetrant und scharf werden lassen.
Frischekick mit Orangen!
Die vollmundige, saftige Fruchtigkeit der Orangenschale gibt dem Glühwein einen echten Frische-Kick und balanciert die eher erdig-pikanten Aromen der anderen Gewürze. Durch die Erwärmung im heißen Wein werden die Schale und die in ihr enthaltenen Öle teilweise karamellisiert und erreichen so eine fast konfitürenähnliche Note. Wer sich noch etwas mehr Frische und Spritzigkeit wünscht, kann gern zusätzlich ein wenig frisch ausgepressten Saft aus der Orange mit in den Glühwein geben.

Verdichtet den Geschmack: die Nelke
Mit ihrer dunklen Floralität, leicht erdigen Tönen und den Nuancen getrockneter Beeren legt die Nelke ein warmes Fundament unter die ohnehin vorhandenen Rotwein-Aromen und verdichtet den Geschmack. Zusammen mit dem Zimt ist es vor allem Gewürznelke, die dem Glühwein jenen Duft gibt, der die meisten Leute an Weihnachten denken lässt.
Für einen “5‑Sterne-Glühwein” darf Sternanis nicht fehlen!
Verwenden Sie auf jeden Fall echten Sternanis, damit dieser das Fundament für alle im Glühwein vorhandenen Aromennuancen schaffen kann. In ihm verbinden sich die typischen Anistöne mit öliger Komplexität, leichter Süße und feiner Schärfe. Je nach Qualität und Intensität genügen pro Flasche Wein bereits ein bis zwei „Sterne“.
Komplexe Kapsel: grüner Kardamom!
Grüner Kardamom ist zwar ein typisches Gewürz in der Adventsbäckerei, in Glühwein-Rezepten findet er sich allerdings seltener. Wie eigenartig! Denn mit seinem Aromenmix aus Mineralität, Frische, malziger Süße und dunkler Schokolade bereichert er den Glühwein immens! Verarbeitet werden sollten natürlich am besten stets nur ganze, noch nicht aufgebrochene, grüne Kapseln – und äußerst sparsam.
Es folgt: der liquide Praxistest
- 1 Flasche Rotwein der Wahl (z.B. ein Spätburgunder)
- 200 ml frisch gepressten Orangensaft
- 2 Orangen (in Scheiben geschnitten)
- 2 Zimtstangen
- 4 Nelken
- 1 Sternanis (optional 2, das hängt aber vom eigenen, bevorzugten Geschmack ab)
- 1 Kapsel Kardamom (auch hier gilt: langsam “heranexperimentieren”)

- Rotwein und Orangensaft in einen Topf geben und bei niedriger Temperatur behutsam erwärmen.
- Die Orangenscheiben sowie alle oben aufgeführten Gewürze hinzufügen.
- Die Mischung zehn Minuten ziehen lassen (auf gar keinen Fall zum Kochen bringen) und danach durch ein feines Sieb abseihen.
- Heiß servieren und genießen! Gewürzt, nicht gezuckert! Zum Wohl!